Familie

Die Hüttenwanderung vom 30.9.-3.10.17 am Nebelhorn – mit Kind und Kegel

Ein verlängertes Wochenende. Wir hatten schon länger die Idee, eine Hüttenwanderung zu machen. Nun war es soweit. Wir werden um das Nebelhorn wandern.

TAG 1

Wir starten in Hinterstein bei bestem Wetter. Wir sind 10 Wanderer, darunter 6 Kinder. Der Bus bringt uns zum Giebelhaus. Dort beginnt unsere Wanderung auf 1.065 m. Das erste Ziel ist das Prinz Luitpold Haus auf 1.846m. Die Herbstfärbung der Blätter begleitet uns und lässt mich strahlen. Diese Farben sind balsam für meine Augen. Dazu noch Sonne satt – herrlich. Nach 15 min fragt der erste „Wann sind wir da?“. Hm. Gute Frage. Wir hatten 3 Stunden geplant. Der asphaltierte Weg bringt uns bis zu einem Abzweig, der uns durch den Wald führt – ein cooler Weg vorbei an Wasserfällen. Das ist was für die Kinder. Jetzt fragt keiner mehr „Wie lange noch?“. Nach dem Waldstück treten wir wieder in die Sonne und erspähen eine erste Hütte. „Nein, das ist nicht unsere Hütte, in der wir übernachten.“ Weiter geht’s. Die Bäume werden immer weniger, immer mehr Geröll säumt den Weg. Dafür verändert sich der Blick – er wird weiter. Nach 2 Stunden wird der Weg merklich steiler. Mein Sohn fragt mich ob ich seinen Rucksack nehme. Das tue ich – ein Stück. Nach einer Weile nimmt er ihn wieder. Ich motiviere ihn. Eine Weile später frage ich „Wann sind wir da?“ Nun motiviert mein Sohn mich. Das rührt mich. Die Vorhut – die großen Kinder sind eine halbe Stunde vor uns oben. Die Nachhut schafft es in 3 Stunden. Herrlich das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Im Bad gibt es am Waschbecken kaltes Wasser. Warm Duschen geht natürlich gegen Geld.
Ich freu mich auf das Essen. In den Bergen schmeckt einfach alles irgendwie himmlisch. Zum Nachtisch gibt es Marillenknödel. Lecker. Endlich mal wieder Marillenknödel. Meinen Kindern schmecken sie auch. So ein Mist. Zum Spiele spielen sind wir zu müde. Wir erkunden das Matratzenlager. Für meine Kinder was ganz Neues. Erschöpft und zufrieden schlafen wir ein.

TAG 2

Der nächste Morgen erwartet uns mit Regen und Nebel. Kein Berg zu sehen. Darauf waren wir vorbereitet. Wir spielen Spiele und alle Mädels kriegen jeweils 2 französische Zöpfe verpasst. Das Kämmen fällt flach für die nächsten Tage – „Herrlich“ denken die Mütter, und die Mädels wahrscheinlich auch. Gegen 11 hört es auf zu regnen, der Nebel bleibt. Unser nächstes Ziel ist das Edmund-Probst-Haus auf 1.930m. 200 Höhenmeter müssen wir runter und 400 Höhenmeter wieder rauf. Geplant ist es, den Abschnitt in 5 Stunden reiner Laufzeit zu schaffen. Wir wandern durch den Nebel. Leider nimmt er uns den Weitblick. Oder ist es vielleicht auch gut so? Insgesamt machen wir 2 Pausen. Würstchen, Müsliriegel und der Blick auf viele Wasseradern, die sich unweit von uns den Berg hinunterschlängeln, bilden die erste Pause. Weiter geht es. Immer wieder kreuzen wir Bäche, die durch den nächtlichen Regen entstanden sind. Auf 2.128m machen wir die zweite Pause am Laufbacher Eck. Das ist der höchste Punkt unserer Wanderung. Wir haben Glück. Der Himmel reißt für eine kleine Weile auf und beschert uns warme Sonnenstrahlen. Zwischen den Wolkenbergen entdecken wir sogar einen steinernen Gipfel eines Berges des Panoramas, das uns heute verwehrt bleibt. Der Weg ist sehr nass, die Steine sind rutschig und es ist immer wieder sehr matschig. Wir kommen langsam voran und der Weg zieht sich. Die Gruppe teilt sich. Wir sind zu viert weiter hinten. Wir gehen vorsichtig mit den jüngeren Kindern. Wann sind wir da? „Ähm, noch zweimal so lang wie das Sandmännchen ist.“ Wenn unsere Zeitangaben stimmen. Sie stimmen nicht. Hinter jeder Biegung vermuten wir für die Kinder die Hütte. Sie kommt und kommt nicht. Man sind die beiden tapfer. Ich bin sehr beeindruckt, wie toll sie mitmachen, trotz der Länge. Nach 8 Stunden erreichen wir die Hütte um viertel vor sieben. Wir sind dreckig und matschig und recht erschöpft. Das Essen schmeckt natürlich hervorragend und als Abschluss gibt es den verdienten Kaiserschmarrn. Wir spielen Gesellschaftsspiele. Das ist etwas, was ich auf den Hütten so liebe und auch in den Bergen. Es ist alles so wunderschön analog und verbindend. Am Waschbecken gibt es warmes Wasser – eine Wonne. Warm Duschen geht natürlich gegen Geld. Wir schlafen in unserem Doppelstockmatratzenlagerzimmer erschöpft ein.

TAG 3

Wir machen uns recht zügig auf zur Schwarzenberghütte, die auf 1.380m liegt. Das Wetter ist toll. Wir sehen Berge und haben eine wahnsinnige Weitsicht auf viele, viele Gipfel. Der Weg ist wundervoll und sehr abwechslungsreich. Die großen Jungs dürfen den Weg alleine laufen. Wir machen einen ersten Pausenplatz mit ihnen aus. Der Platzi st wundervoll, aus Kinderaugen erreicht man ihn über eine Steinbrücke. Die Sonne scheint. Einer der Jungs lernt Vokabeln als wir ankommen. Das nenne ich mal Einsatz. Der Weg geht weiter. Auch die großen Mädels setzen sich ab, warten aber immer wieder. Der nächste Warteplatz ist toll. Die Aussicht verändert sich. Die Weitsicht lässt nach und wird wieder durch bunte Herbstbäume ersetzt. Die Mädels warten, ein paar Dohlen finden das ganz gut und leisten ihnen Gesellschaft. Sie mögen Käse und Brot. Die nächste große Pause machen wir am Engeratgundsee. Das Wasser sieht toll aus. Grün, türkis und die Berge spiegeln sich darin. Auch hier freuen sich Dohlen über unsere Ankunft. Scheint ein beliebter Rastplatz zu sein. Die Dohlen kennen sich schon aus und machen keinen Halt vor Rucksäcken. Immer wieder können wir sehen, was wir am Tag zuvor gelaufen sind. Ich bin wirklich sehr beeindruckt was wir und vor allem die Kinder da geschafft haben.
Beim Abstieg zur Schwarzenberghütte fängt es langsam an zu nieseln. Aber wir haben es nicht mehr weit. An der Hütte gibt es Kühe, Pferde, Hasen, Meerschweinchen und einen kleinen Spielplatz .Die Kinder freuen sich. Eine heiße Schokolade trägt zum Wohlbefinden bei. Auf der Hütte gibt es warmes Wasser am Waschbecken und kostenlose warme Duschen – eine Steigerung von Tag zu Tag. Das Essen ist der Wahnsinn. Solche Portionen habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Leider war kein Platz mehr für Kaiserschmarrn in uns. Weil wir recht früh auf der Hütte ankamen, haben wir viel Zeit für gute Gespräche und Spiel. Ich liebe diese Abende.

TAG 4

Es regnet in Strömen. Wir wissen noch nicht ob wir es gut finden sollen oder nicht. Auf der einen Seite finden wir gut, endlich die Regenhosen und Regenjacken benutzen zu können, die wir mitgeschleppt haben. Auf der anderen Seite regnet es wirklich arg. Eine Stunde soll der Abstieg zurück zum Giebelhaus dauern. Wir schaffen es in 35 min und rennen förmlich den Berg hinunter. Am Giebelhaus ist die Garage offen. Darin stehen bereits 20 Leute und haben noch nie ein offenes Garagentor so attraktiv gefunden. Der Bus bringt uns zurück nach Hinterstein. In einem Café ziehen wir uns trockene und warme Klamotten an, die wir im Auto deponiert hatten. Guter Tipp. Nach heißer Schokolade treten wir den Heimweg an.

Vorher noch den Mega Tipp. Wir hatten große Mülltüten dabei – welche mit Henkeln. Für die Kinderrucksäcke ohne Regenhaube haben wir die Rucksäcke in die Mülltüten gesteckt und die Rucksäcke und die Henkel der Müllbeutel den Kindern aufgesetzt. Das war der beste Regenschutz!

Beim Wandern finde ich gut, in der Gruppe zu sein und trotzdem bei sich. Wenn ich wandere bin ich bei mir, konzentriere mich auf mich und auf den Weg, genieße den Augenblick und die Aussicht. Alles ist reduziert und vor allem die Digitalität wird gegen Analogität eingetauscht. Das finde ich sehr erholsam und auch für die Kinder ist es schön, nicht um ihre Zeit mit uns mit den Smartphones konkurrieren zu müssen.

Es war ein wahnsinnig verbindendes Erlebnis. Jederzeit wieder! Danke für die Orga Leo!

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