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philosophischer Dialog / philosophical dialogue

Nane und ich kennen uns durch eine Online-Uni, die wir beide besucht haben. Erst hatten wir nur schriftlichen Kontakt. Es hat gleich gut gepasst. Später haben wir uns auch getroffen – in einem Beachclub, mit Anhang. Auch das war sehr harmonisch und entspannt und schön. Nun haben wir immer wieder wundervolle Gespräche und Dialoge – entweder schriftlich oder persönlich. Einen unserer bisherigen Dialoge hat mich besonders berührt und glücklich gemacht. Er hat mich mit meiner Essenz verbunden und mir vor Augen geführt, was mir wichtig ist. Ich danke Dir von Herzen Nane. Dafür dass wir uns kennen, für deine einfühlsame Art, für den reichen Austausch und für deine Erlaubnis, unseren Dialog veröffentlichen zu dürfen.

Belinda: Den Spruch hab ich letztens gehört und der ist auch gerade präsent in mir:

“We’re all just walking each other home.” ― Ram Dass

Wenn wir es zulassen können, können wir uns gegenseitig durch unsere Geschichten heilen. Das finde ich total gut irgendwie. Dass ich die Erfahrungen die ich mache, nicht nur für mich mache sondern auch dafür, das andere dadurch geheilt werden können – das finde ich auch entspannend und es verfolgt dann auch ein größeres Ziel – ein Verbundenes – so wie wir alle verbunden sind.

Nane: Das ist etwas, was für mich noch total schwer greifbar ist. Die Aussage, dass wir alle verbunden sind und auch mit dem Universum eins sind. Ich finde zwar die Vorstellung total schön. Aber so richtig verstehen kann ich es nicht. Und mit manchen Menschen will man manchmal auch gar nicht verbunden sein😅

Belinda: Vielleicht ist diese Verbundenheit schon allein dadurch sichtbar, dass der andere in uns was auslösen kann. Und dadurch, dass uns unsere Eltern so erziehen, wie sie es mit ihren Glaubenssätzen können – und dadurch bilden wir unsere. Und dadurch, dass wir aneinander denken …

Und rein physisch ist es ja auch irgendwie ganz klar – wir teilen uns eine Erde – wir atmen die gleiche Luft … Moritz hat es mal so treffend gesagt – „Stimmts Mama, ich bin immer mit meinem Schultisch verbunden. Mein Stuhl steht hier auf dem Boden unseres Hauses. Das Haus steht auf der Erde an der Straße. Die Straße führt zur Schule. Die Schule steht auf der Erde. Der Boden ist mit den Wänden verbunden und die Decke/Boden vom Klassenzimmer ist mit den Wänden verbunden und auf dem Boden steht mein Schultisch.“ Ich fand es so wunderbar, wie klar und logisch und unumstößlich das für ihn war.

Aber ich verstehe was du meinst. Das wir alle eins sind – das ist für mich auch schwer. Ich weiß nicht wo ich das fühlen könnte in mir. Das Wort allein kann man ja so lesen – ALL-EIN. Das finde ich schon bemerkenswert.

Letztens hatte ich mal das Bild: „Wir fühlen uns alle als Wassertropfen, doch zusammen sind wir das Meer.“

Das hat mir gefallen.

Nane: „Wir alle sind Wassertropfen, aber zusammen sind wir das Meer“. Das finde ich auch wunderschön und auch so kraftvoll. Leider ziehen wir selten an einem Strang, weil das Ego dann doch dominiert. Ich sehe das mit dem Eins sein zum Beispiel eher so, dass wir ja alle am Ende eins werden, in dem wir zu Staub zerfallen. Und wir deshalb auch jetzt eigentlich schon alle gleich sind und eins sind. Doch irgendwie kommen wir trotzdem alle woanders her und gehen unterschiedliche Wege, was ja auch gut ist. Aber das macht es manchmal schwer greifbar.

Belinda: JA. Dieses Ego – ich habe mich letztens gefragt, weshalb es das eigentlich gibt. Irgendwie macht es gerade Sinn zusammen mit dem Satz “We’re all just walking each other home.”

Denn nur wenn wir unterschiedlich sind, gibt es für jeden DEN Weg, der ihn „nach Hause“ bringen kann. Und wenn wir uns gegenseitig „heilen“ können mit unseren Geschichten, dann müssen wir ja quasi ein Ego haben, damit überhaupt Geschichten entstehen können. 🤪

Nane: Das ist auf jeden Fall auch ein guter Ansatz. Aber da wäre Individualität ja eigentlich sogar hilfreicher als Ego.

Belinda: Aber wodurch entsteht Individualität? Entsteht das nicht durch das Ego?

Nane: Ich denke das Ego ist in erster Linie ein Schutzmechanismus. Denn die Stärke der Gemeinschaft würde eventuell in einem Höhenflug der Individuen ausarten? Also eventuell um uns unsere eigenen Grenzen zu zeigen?!

Belinda: Was wäre denn an einem Höhenflug schlimm? Wir würden doch dann alle nur zum höchsten Wohl aller handeln, weil wir nur noch aus Liebe handeln …? 🤔😉

Das ist zumindest meine Erfahrung als ich die bedingungslose Liebe, die über/hinter/unter (keine Ahnung 🤪) dem Ego liegt, erfahren durfte. Da gab es ja kein „böse“ mehr.

Nane: Stimmt, soweit habe ich gar nicht gedacht, da es mir zu absurd vorkam 😓

Nane: Das mit dem Höhenflug meinte ich eher im Sinn von Selbstüberschätzung des Einzelnen, da die Gemeinschaft so stark wäre?!

Belinda: Spannend, dass du das so siehst. Ist das nicht auch aus einer Angst heraus gedacht?

Nane: Ja, sehr wahrscheinlich. Vor allem, wenn man mit einbezieht, dass jeder aus Liebe handeln würde.

Nane: Ich find‘s gerade sehr bereichernd, das alles zu lesen. Es fühlt sich so an, als würde ich ganz viele neue Erkenntnisse bekommen.

Belinda: Ja. Danke für den Austausch. Das sind so Lieblingsmomente für mich – wenn ich Dinge außerhalb meines Egos verstehen kann.

Nane: Krass, ich habe gerade überlegt, wenn man ganz weit zurückgeht. Zur Entstehung der Welt und dem Urknall. Dann sind ja wirklich alles aus dem selbem „Material“ entstanden. Und auch tatsächlich mit allem verbunden, weil sich alles auf dieser Erde aus demselben Ursprung entwickelt hat. Wenn man weiter geht und die Menschheit verfolgt, die ja früher doch weniger Individualismus zugelassen hat, als es heute der Fall ist, dann würde ich sagen, hast Du Recht, dass wir das Ego brauchen, um uns gegenseitig zu heilen. Um individuelle Geschichten entstehen zu lassen, die uns weiter bringen zu unserer eigenen individuellen Essenz. Und dann durchläuft die Menschheit im Ganzen seit Jahrhunderten eine Evolution in Richtung Heilung. Nur das mit der Liebe ist wohl leider noch nicht bei allen angekommen….

Belinda: ☺☺☺ Und wie fühlst du dich gerade?

Nane: Erleuchtet 🤣 Nein, quatsch. Aber es hat mich ganz schön überrascht bzw. auch erleichtert.

Belinda: Wunderbar …

Nane: Irgendwie macht das alles Sinn. Und es macht so vieles einfacher.

Belinda: Was macht es denn für dich einfacher?

Nane: Für den Moment wird es einfacher zu akzeptieren, dass andere Menschen anders sind und andere Ansichten und andere Werte haben. Ob das „alltagstauglich“ bleibt, muss sich noch zeigen.

Belinda: Wenn wir dies immer wieder in unser Bewusstsein kriegen, hilft es vielleicht in Situationen anders zu handeln als bisher?

philosophical dialogue

Nane and I know each other through an online university we both visited. First we only had written contact. It worked just fine. Later we also met in person – in a beach club, with appendix. That too was very harmonious and relaxed and beautiful. Now and again we have wonderful conversations and dialogues – either in writing or in person. One of our previous Diagloge has touched me and made me happy. It connected me with my essence and showed me what is important to me. Thank you from my heart Nane. That we know each other, for your empathetic nature, for the rich exchange and for your permission to publish our Diaglog.

Belinda: I’ve heard the saying lately and it’s also present in me: „We’re just walking each other home.“ – Ram Dass

If we can let it happen, we can heal each other through our stories. I think that’s very good somehow. The fact that I do not only do the experiences that I have for myself, but also so that others can be healed – that’s also relaxing, and it also has a bigger goal – a connected one – just as we all are connected.

Nane: That’s something that is still very difficult for me to grasp. The statement that we are all connected and also all one with the universe. Although I think the idea is very nice. But I can not really understand it. And sometimes you do not even want to be connected to some people😅

Belinda: Maybe this connection is visible in the fact that others can trigger something in us. And because our parents educate us the way they can with their beliefs – and that’s how we make ours. And because we think of each other … And physically it’s kind of clear – we’re sharing one earth – we breathe the same air … Moritz once said it so well – „Mum, I’m always connected to my school desk. My chair is on the floor here. The house stands on the earth by the road. The road leads to school. The school is on the ground. The floor is connected to the walls. The ceiling / floor of the classroom is connected to the walls and my school desk stands on the floor.“ I found it so wonderful how clear and logical and irrefutable it was for him. But I understand what you mean. That we are all one – that’s hard for me too. I do not know where I could feel that in me.
The word AL(L)ONE can be read like that – ALL-ONE. I think that’s remarkable.
Last time I had the picture: „We all feel like drops of water, but together we are the sea.“ I liked that.

Nane: „We are all drops of water, but together we are the sea“. I think that’s beautiful and so powerful. Unfortunately we rarely pull together, because the ego then dominates. For example, I see it as being one, so that we all end up becoming one in which we disintegrate into dust. And that’s why we are all the same now and one. But somehow we all get somewhere else and go different ways, which is also good. But that sometimes makes it hard to grasp.

Belinda: YES. This ego – I was wondering why this actually exists. Somehow it just makes sense together with the sentence „We’re all just walking each other home.“ Because only if we are different, there is the way for anyone who can bring him „home“. And if we can „heal“ each other with our stories, then we have to have an ego, so that stories can emerge at all.

Nane: That’s definitely a good approach, too. But individuality would actually be even more helpful than ego.
Belinda: But what causes individuality? Isn’t it the result of the ego?
Nane: I think the ego is first and foremost a protective mechanism. Because the strength of the community would eventually degenerate into a flight of individuals? So maybe to show us our own limits?
Belinda: What would be bad about a flight? Then we would all act only for the highest good of all, because we act only out of love …? 😉 This is at least my experience when I was allowed to experience the unconditional love that lies over / behind / under (no idea ) the ego. There was no „bad“ anymore.

Nane: That’s right, I did not even think that, because I thought it was too absurd 😓

Nane: That with the flight I meant more in the sense of overconfidence of the individual, because the community would be so strong?

Belinda: Exciting that you see it that way. Isn’t that a thought out of fear?

Nane: Yes, very likely. Especially when you consider that everyone would act out of love.

Nane: I find it very rewarding to read it all. It feels like I’m getting a lot of new insights.

Belinda: Yes. Thanks for the exchange. These are favorite moments for me – when I can understand things outside of my ego.

Nane: Wow, I’ve just thought about going back a long way. On the origin of the world and the big bang. Then everything really came out of the same „material“. And actually connected with everything because everything on this earth has evolved from the same source. If you go further and persecute humanity, which in the past allowed less individualism than it does today, I would say you are right that we need the ego to heal each other. To create individual stories that bring us further to our own individual essence. And then humanity as a whole has undergone an evolution towards healing for centuries. Only the thing about the love has unfortunately not arrived at all ….

Belinda: ☺☺☺ And how are you feeling right now?

Nane: Enlightened. No, nonsense. But it surprised and relieved me a lot.

Belinda: Wonderful …

Nane: Somehow it all makes sense. And it makes living so much easier.

Belinda: What makes it easier for you?

Nane: For the moment it will be easier to accept that other people are different and have different views and different values. Whether this remains „suitable for everyday use“ still has to be proven.

Belinda: If we get this into our consciousness again and again, maybe it helps to act differently in situations than before?

Ein Kommentar

  • Nane

    Liebe Belinda,

    vielen Dank für deine schönen Worte und für die Zusammenfassung unserer Unterhaltung.
    Mir hat unser Dialog auch so viel gegeben und mir Neues vor Augen geführt.
    Ich habe das Gefühl unser Gespräch hat meinen Horizont erweitert und es war unglaublich spannend das ganze jetzt nochmal mit ganz anderen Augen zu lesen. Vieles davon ist mir inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen (wenn auch nicht immer). Aber es ist wirklich faszinierend seine eigenen Ansichten und Erkenntnisse später nochmal neu kennen zu lernen.
    Vielen Dank dafür.
    Ich freue mich auf viele weitere Gespräche und Erfahrungen.

    Liebste Grüße,
    Nane

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